PERSON

  

 
Geboren 1942 in Homberg /Efze
 
Kaufmännische Lehre, Manager
 
1. Studium: Volkswirtschaft,
Betriebswirtschaft

Auslandsaufenthalte in Indien und Spanien

Lehrer an einer beruflichen Schule
 
2. Studium: Philosophie, Geschichte, Politik,
Promotion: Der Einfluss nationaler Geschichtsbilder auf die lokale Geschichtsschreibung.

Diverse Publikationen, Erzählung: Die Bleiarche

Kunstaktionen
1. Einzelausstellung 1992 in der Ev. Akademie Hofgeismar, Landartprojekte ab 1994

Gestaltungskonzept

Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts beschäftigen sich Künstler mit Landart. Hinaus aus Galerien und Museen, hinein in die Natur. Es entstehen Kunstwerke gestaltet aus Naturmaterialien in der Landschaft. Ausgehend von den USA kreieren europäische Künstler die Naturkunst. Hier "wird ein Reflexionsprozeß in Gang gesetzt der eine philosophische Dimension annimmt. Er geht über die Konzeption hinaus, die, etwa im Werk von meist amerikanischen Künstlern der Landart wie Robert Smithon, Michael Heizer...mit Hilfe oder unter Einbeziehung der Natur und ihrer Materialien, in Analogien zu ihr, Mechanismen der Wahrnehmung und des Denkens phänomenologisch veranschaulichen und bewusst machen wollen." (M.Lauber)

Hans-Joachim Bauer beschäftigt sich seit 1993 mit Landart/Naturkunst. In den Projekten des Künstlers geht es um die Visualisierung zivilisatorischer Prozesse. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit erwächst aus der persönlich gelebten Spannung zwischen Euphorie und Schuldbewusstsein in bezug auf die Aneignung der Natur durch den Menschen. Die Aneignung von Zeit, Raum, Erkenntnis und Herrschaft wird in die Natur zurück projeziert, in eine Natur als Bestandteil des "globalen Innenraumes" (T.Assheuer) Als Gestaltungselemente verwendet der Künstler Naturmaterialien (Erde, Wasser/Eis, Feuer/Licht, Luft), Pflanzen, Tiere, Menschen, grafische Elemente, Schrift und Teile der Infrastruktur (Straßen). Als Werkzeuge dienen: GPS-Vermessungstechnik, einfache Vermessungsinstrumente, Traktoren und andere landwirtschaftliche Maschinen, andere Werkzeuge.

Beispiele, siehe auch Werkverzeichnis unter www.bauer-landart.de (Landart,Performances)

Projekt Aneignung von Projektionfläche Gestaltungselemente Werkzeuge
HASENJAGD 1998 APRIL Deutschland Raum Weizenfeld , Autobahn Pflanzen , Infrastruktur Vermessunggeräte , Traktor
WASSER-www 2002 OKTOBER Ägypten Zeit Lybische Wüste Menschen ----
DER AUSFLUG 2004 November Island Erkenntnis Gletscher Vatnajökul Farbe Schablonen
PSEUDOMONAS 2007 November Chile Herrschaft Gletscherrand Serrano Eis , kleine Steine Hände
TITANIC 2008 Juni Deutschland Herrschaft Weizenfeld Pflanzen, Licht , Feuer GPS , Traktoren , Generator


  
 Kommentare zu meiner Person und meiner Arbeit:

Zum Projekt "Conferencia de Clima"
"Don Quijote des Eises"; La Prensa Austral, Punta Arenas/Chile, 4.3.2010.
"Die verrückte Idee eines Deutschen..."; Las Ultimas Noticias,
Santiago/Chile, 25.2.2010

"Du bist ein unverbesserlicher Moralist, in deinen Werken drückst du deine Empörung und Betroffenheit aus."

Rolf Herbertz-Stoll  (Musikschulleiter)


Der deutsch- österreichische Künstler Hans-Joachim Bauer geht noch einen Schritt weiter. Er produziert durch seine Landart-Werke ein tiefgehendes Gefühl des Unbehagens... Landart ist für ihn in erster Linie ein psychologischer Impuls; das Werk selbst verschwindet schnell aber es hinterläßt Spuren im Denken und Handeln der Menschen.

Angela Jeffs, The Japan Times (Tokyo, Japan)


Nordhessen im Sommer 2000:  Nahe der Autobahn bei Homberg/Madorf umschließen Ackerfurchen ein Quadrat von 110 Meter Kantenlänge. Ein Schienenstrang scheint in die Umzäunung zu führen. Eine Selektionsrampe ist angedeutet, daneben Baracken. Und dann steht da der Name "Sulamith" in den Boden gepflügt. Es ist der Name aus Paul Celans Gedicht "Die Todesfuge", aus der uns eine Zeile sehr geläufig ist: "Der Tod ist ein Meister aus Deutschland." Der Name Sulamith, der für die vielen Opfer des Holocausts steht, ist nicht voll ausgeschrieben. Er endet vielmehr in der Andeutung eines Teichs, ähnlich jenem im Konzentrationslager Birkenau, in den die Asche der Toten geschüttet wurde.
Dem routinierten Autofahrer begegnen neben der hessischen Autobahn nicht zum ersten Mal die hintergründigen Großskizzen des Künstlers Hans-Joachim Bauer. Aufsehen erregte vor sechs Jahren seine veränderliche Feldplastik "Genesis" bei Mardorf, aus der sich übers Jahr aus dem Schriftzug "GOTT" ein archarischer Mensch entwickelte und der zur Frage Anlass gab: Wer löst da wen ab? Von Kleinflugzeugen (oder vom Homberger Burgturm aus) betrachteten die Besucher das ungewohnte Schauspiel, zu dem Bauer mit den Worten eingeladen hatte: "Betrachten Sie Gott vom Himmel aus."
Dem Ideenreichen Landart-Künstler gehen die Fragen nicht aus. Mal brachte er, angesprochen von der optischen Analogie von Kreuzesabbildungen und Menschen beim Bodybuilding, Menschen in ein Sportstudio und ließ sie sich an den martialischen Maschinen abarbeiten. Für zornige Reaktion war gesorgt. Mal brachte er - bei seinem Projekt "Jünger im Kraftwerk" - Menschen in die aufgelassenen Hallen des Kohlekraftwerks Borken, wo er sie zu einem 24-stündigen Versuch und zu einem Rollenspiel nach Art der Passionsgeschichte einsperrte. In Phnom Penh entwickelte er später ein Landart-Projekt über den kambodschanischen "Holocaust." Und auf dem Eis des zugefrorenen Edersees markierte er mit blauer Farbe die Umrisse einer Kathedrale - Assoziationen zum Zustand der Kirche sind erlaubt. Eben erst präsentiert Bauer im Bertelsmann- Pavillon auf der EXPO seine Pläne für eine internationale Tagung der Bertelsmannstiftung.
Seit drei Jahren beschäftigt sich Bauer mit dem Thema Judenvernichtung, angestoßen auch durch die Diskussion um das Holocaustdenkmal in Berlin, wie auch durch einen Besuch im Holocaust-Museum in St. Louis. Einen Bruch mit seinem bisherigen Lieblingsthema Schöpfung sieht Bauer darin nicht. Es ging ihm einfach um "ein Werk zur deutschen Verantwortung", wie er sagt. Es ist die Faszination von Landart, die ihn zu "Sulamith" beflügelte, nicht die Aussicht, dass auf dem hessischen Acker über dieses Thema in wenigen Monaten Gras gewachsen sein wird.

Eduard Kopp, Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt
(Hamburg)


Papa, du bist verrückt !

Leon


Der Künstler Hans-Joachim Bauer hatte in der Fußgängerzone von Kouvola ein Werk geschaffen mit dem Titel TEISTELU (Der Kampf). Es bestand aus Baumstämmen und Betonplatten und war Teil der Ausstellung "Blau erscheint im Raum" in unserem Museum. Gestern Nacht wurde das Werk von unbekannten Tätern mit Kettensägen und Hämmern zerstört, die Polizei sagte...

Katariina Hakaniemi, Kouvolan Sanomat (Kouvola, Finnland)


"Wenn Sie mich fragen versteht sich der Mardorfer Künstler Dr. Hans-Joachim Bauer trefflich auf das Mittel der Provokation. Seine Doppeldeutigkeiten beim Projekt Hirnweide waren wieder ein schönen Beleg dafür.
Solche Aktionen treiben den Menschen einen Stachel ins Fleisch. Ob sie wollen oder nicht, sie werden hineingezogen in einen künstlerisch - philosophischen Exkurs.
Eine auf den ersten Blick aberwitzige Aktion erweist sich als ausgesprochen hintersinnig. Mit einfachen Mitteln stellt Bauer verblüffende Verbindungen her...
Bauer schafft es, mit seinen vergänglichen Aktionen Bleibendes zu schaffen.

Heinz Rohde, Hessische Niedersächsische Allgemeine
(Kassel)


Während seines Aufenthaltes in Patagonien hat der Künstler die Performance "En el Cemeterio de los Tempanos" ( Im Friedhof des Eises) realisiert, die sich mit dem Abschmelzen der Gletscher und den sich daraus ergebenden Folgen beschäftigt... Das Werk reflektiert das Verhältnis zwischen Mensch und Natur.

Gabriel Leiva , Prensa Austral , Puerto Natales ,Chile


In "La Conferencia de Clima" hat er und sein Team einen kleinen Eisberg unter großen Schwierigkeiten mit einer Art Lasso eingefangen und mit Hilfe eines Motorbootes einen Kilometer näher an den Serrano Gletscher im O`Higgins Nationalpark, von dem der Eisberg losgebrochen war, herangezogen. In "Klimakonferenz 2.0" bemüht er sich mit aller Kraft mit einem Heimtrainerfahrrad, vom hinter im abschmelzenden Jökullsarlon Gletscher fort zu kommen. Die völlige Unzulänglichkeit solcher Bemühungen ist komisch, doch auf sinistre Weise; sie stehen für die schiere Unfähigkeit der Menschen, wesentliches gegen das beinahe unaufhörliche Fortschreiten des Klimawandels zu unternehmen.( Vollständige Kritik auf www.mydocumenta.de)

Lori Waxman (Chikago) am 21.7.2012 dOCUMENTA (13) in Kassel



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